Alles für ein bißchen Liebe? von Julia Kathan
Ein sehr interessantes Thema, dass Frau Kathan in ihrem Bestseller Buch beschreibt. Es handelt sich hierbei um eine Liebes- bzw. Beziehungssucht. Was ist denn bitteschön eine Liebessucht werden sich die meisten jetzt fragen? Dazu gleich mehr.
Nach mehreren gescheiterten Beziehung, die mehr Leid als Freude erbrachten, abgesehen davon, dass die auserkorenen Männer zur Kategorie beziehungsunbrauchbar gehörten, kam ich zu dem Schluss, dass nicht nur der auserwählte Prinz die totale Macke hat, sondern dass auch mit mir etwas nicht stimmte. Nach längerer Recherche zu Verhaltensmustern und Gefühlslage stoß ich auf dieses Buch. Das mir die Augen öffnete. Ich war mehr als fasziniert von dem was Frau Kathan schrieb und manchmal auch zu Tränen gerührt, da ich das Gefühl hatte sie schreibt über mich und mein Leben.
Um erstmal den Begriff der Liebessucht zu klären, werde ich es in eigenen Worten versuchen zusammen zufassen. Meist sind es Frauen, die sich als Lebenselexier auf einen Mann fixieren. Er soll die Antwort, die Lösung sein für all die Unglückseligkeit der Frau mit ihrem eigenen Leben. Eigene Bedürfnisse und Probleme werden nicht mehr wahrgenommen, was zählt ist der Partner. Schenkt er einem Aufmerksamkeit ist es wie ein Highgefühl, wie im Drogenrausch. Die Frau kann Bäume ausreißen und schwebt auf Wolke 7. Doch stößt sie auf Abneigung ihres Retters, folgt der emotionale Absturz. Ein Gefühl wie ein Entzug, nicht nur für die Seele, auch für den Körper. Manche Frauen werden denken ist vielleicht nicht allzu ungewöhnlich. Allerdings wird bei einem Liebesjunkie die Sucht nach Liebe verwechselt mit der aufrichtigen, wahrhaftigen Liebe. Im Prinzip weiß ein Betroffener nicht einmal was wahre Liebe ist und ist im Glauben, dass all das Drama und Leid Zuspruch für eine tiefe Verbundenheit zu dem anderen ist. Der Betroffene verbringt mit kaum einen Thema so viel Zeit und verschwendet für nichts anderes so viel Kraft als mit dem Gedanken über den ersehnten Partner.
Frau Kathan führt das Geschehen ein mit einer Definition von Liebe....
Dann beginnt sie mit den Anzeichen einer Liebessucht. Einige die das Buch aus eigenem Interesse gelesen haben, werden die meisten Erkennungsmerkmale schon hier sehr bekannt vorkommen.
Frau Kathan zeigt auch in den weiteren Kapiteln sehr viel Verständnis warum ein Liebesjunkie so handelt, wie er handelt. In seinem realen Umfeld wird man für seine Taten wohl eher Spott und Vorwürfe ernten. Doch die Autorin ist sehr einfühlsam, weiß wie aufregend und welchen Rauschzustand der auserwählte Traummann einem geben kann.
Das Problem für all das Geschehen liegt in der Frau tief verwurzelt, durch ein Trauma in der Kindheit. Liebesabhängige haben kein Selbstwertgefühl sind sehr früh schon auf emotionale Ablehnung oder gar Schlimmeres gestoßen. Ein sehr interessanter Aspekt den die Autorin hier aufführt, den ich selbst nie so gesehen habe ist die Angst vor zu viel Nähe. Die Liebesabhängigen haben zwar eine bewusste Angst vor dem Verlassen werden, allerdings ist in ihnen die unbewusste Angst vor Nähe verankert. Dies ist auch der Grund warum Männer die der Kategorie "don't touch" der Betroffenen immer wieder zu Händen fallen. Eins ist damit nämlich sicher gestellt, und zwar das dieser Mann ihr niemals zu Nahe kommen wird. Obwohl die Frau doch der Überzeugung ist, dass es genau das ist wonach sie sucht. Bei den ausgewählten Männern befinden sich die Ängste auf vertauschten Rollen. Sie haben eine unbewusste Angst vor dem Verlassen werden und werden so mit dieser Frau gestillt. Denn sie wird bleiben, und zwar solange bis ER geht und nicht andersrum. Daher herrscht zwischen diesen beiden Geschöpfen eine erhebliche Anziehungskraft.
Nun zur Spirale des Leids. Es ist immer wieder dasselbe, die Frau gibt sich zunächst noch selbstbewusst und stark, der Mann schätzt ihre Aufmerksamkeit und überschüttet sie auch mit dieser. Die Frau schwebt erst einmal auf Wolke 7 ist nun zur Überzeugung gekommen, das ist mein Retter. Negative Tatsachen über ihn werden vollkommen ausgeblendet, und der Traumprinz immer weiter idealisiert. Doch schon bald wird es der Frau nicht mehr reichen, sie will mehr... mehr von ihm. Er wird sich ganz schnell überfordert fühlen und den Rückzug machen. Die Frau beginnt zu leiden... Ihre einzigen Gedanken kreisen um ihn und wie sie ihn dazu bekommt noch mehr von seiner Nähe und Zuneigung zu erhalten. Wird es ihr alles zu bunt und sieht sie keinen anderen Ausweg, probiert sie es auf seine Methode. Sie meldet sich einfach nicht mehr. Es fällt ihr unglaublich schwer, doch schon bald wird ER sich fragen warum sie plötzlich aufhörte ihn mit Nähe zu bombardieren. Nach einiger Zeit ist er verwirrt und bekommt Panik. Ist sie denn etwa dabei sich zu entlieben??!! Er meldet sich also um die unvertraute Lage zu checken. Sie, die nur auf ein Lebenszeichen von ihm gewartet hat ist sofort wieder für ihn verfügbar und fühlt sich bestätigt - ja er liebt mich doch. Das Leid, das beginnt von vorne und die Liebesspirale dreht sich weiter.
Nachdem sich die Autorin mit einem riesen Kapitel über Symptome und Verhaltensmuster gewidmet hat geht es weiter mit den Ursachen einer Liebessucht.
Diese sind tief verwurzelt in der Kindheit zu finden. In diesem Kapitel war ich mehrmals zu Tränen gerührt. Ich glaubte immer Zeit heilt alle Wunden, doch dies ist ein Irrtum. Wir sind nun erwachsen und denken, das Erlebte sei längst überwunden, doch der Schmerz ist noch genauso abrufbar wie damals. Und in unseren Beziehungen zu Männern versuchen wir das Erlebte zu heilen. Dabei haben sie mit der ganzen Sache gar nichts zu tun. Sie können uns nicht die Antworten geben, die wir suchen. Sie werden uns in Zukunft nur treten wo es geht und noch mehr Salz in die Wunde streuen...
Das letzes Kapitel befasst sich mit den Ausflüchten aus der Sucht. Wichtig ist es hierbei zu sich zu finden. Eine innere Basis zu sich zu schaffen und zu lernen auf seine eigenen Bedürfnisse einzugehen. Ein sehr schwieriges Thema für einen Liebesjunkie. So heißt es nun bye bye vertrautes Leben und unterwürfige Verhaltensmuster aufgeben. Die Angst vor dem Ungewissen, der wahren Bedeutung von Liebe herausfinden. Ein langer Prozess, der da auf Betroffene zu kommt. Schließlich gibt es keine Schule mit der Lerneinheit" liebe dich selbst".
Fazit: Ein tolles und hilfreiches Buch, das die Augen öffnet und berührt. Dieses Buch könnte für viele vielleicht der erste Schritt aus der Sucht sein. Denn wie heißt es so schön: "Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung." Schade ist es allerdings, dass es in diesem Buch mehr um Symptome und Ursachen geht als Wege aus der Sucht. Denn schließlich ist es ja ein sehr wichtiger Punkt zum Weiterkommen. Trotzdem wirklich ein sehr empfehlenswertes Buch, bei dem zu spüren ist, dass die Autorin weiß von was sie schreibt. Und schließlich lässt man sich lieber von jemanden etwas sagen, der es selbst erlebt hat, als von Leuten die nur theoretisch oder eben gar keine Ahnung von der behandelten Sache haben.